19.07.2026

Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun; Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes thun.


Röm. 2,9.10. Paulus ist im zweiten Kapitel des Briefs an die Römer noch damit beschäftigt, daß er Juden und Griechen überweise, sie seien Sünder und der Verdammniß würdig, damit er hernach den Schluß machen könne: sie müssen, wenn sie selig werden wollen, ohne Verdienst gerecht werden aus der Gnade Gottes und durch die Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen. Weil er sich aber die Juden als Juden und die Griechen als Heiden vorstellte, und sich nach ihrer Erkenntniß richten wollte, so konnte er ihnen den Unglauben, als die verdammliche Sünde, die man wider Jesum und Sein Evangelium begeht, nicht vorhalten, gleichwie man es auch bei vielen unwissenden Christen nicht thun kann, sondern berief sich auf ihre Werke, wegen deren sie durch das geschriebene Gesetz und durch ihr Gewissen verurtheilt wurden. Er sagte also V. 6.: Gott werde einem Jeden nach seinen Werken vergelten; wie aber? So, daß Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen komme, die Böses thun. Die Ungnade oder Grimm bezieht sich auf das Gericht, so lange es währt. Hier läßt Gott Seinen Unwillen ausbrechen. Hier läßt Er hören, sehen und fühlen, was Er schon lange, da Er in der Langmuth schwieg, von ihnen gedacht und ihnen bereitet habe. Von dieser Ungnade werden die Uebelthäter als von einem anbrechenden Wetter überfallen. Darauf folgt hernach der beständige Zorn, den sie durch eine fortwährend Verstoßung und Strafe leiden müssen. Trübsal ist eine gegenwärtige Noth, Angst aber entsteht aus der Vorstellung von der Dauer derselben Noth, oder auch von einem zukünftigen Uebel. Dieses Alles kommt nun über die Menschen, die unter der Langmuth Gottes, aber auch bei vielen Warnungen, Böses thun, vornämlich über die Juden, aber auch über die Griechen. Heutiges Tages aber kann man sagen: vornämlich über die Christen, aber auch über Juden, Mahomedaner und Heiden. Böses thun ist durch das Gewissen überall verboten. Paulus beruft sich nicht auf die Erbsünde, ob sie schon auch, wenn kein Erlöser wäre, vom ewigen Leben ausschlösse, sondern auf das Böse, das die Menschen wider ihre Überzeugung thun, und das sie auch nicht thun könnten, wenn sie der Stimme Gottes in ihrem Gewissen Gehör geben wollten. Was wird aber allen denen widerfahren, die Gutes thun? Herrlichkeit und Ehre und Friede, wie Paulus sagt. Herrlichkeit geht die Natur eines Menschen selber an. Wenn seine Seele ein weißes Kleid bekommt, wenn sein Leib dem verklärten Leib Christi ähnlich wird, wenn überhaupt der Mensch wie die Sonne im Reich Gottes leuchtet, so ist er herrlich Ehre schließt Lob und Gewalt in sich, und beides ist in dem Ausspruch des gnädigen Richters enthalten: ei du frommer und getreuer Knecht, ich will dich über viel setzen. Friede ist ein gesicherter Wohlstand, eine beständige Ruhe, eine Sättigung aller Begierden, eine Verwahrung vor allen Plagen. Obschon die Griechen dieses Alles nicht so deutlich und vollständig wußten, so konnten sie doch erkennen, daß derjenige, der bei Leibesleben Gutes thue, in jener Welt herrlicher als in dieser werden, und Ehre und Frieden nach dem Willen des höchsten Gottes genießen werde. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 1.
Schrecklich ist’s, den Zorn sich häufen
Auf das künftige Gericht,
Und den harten Nacken steifen,
Bis ihn Gott im Tod zerbricht!
O Gott! lehre mich erwägen,
Wie der Unterschied so groß
Zwischen jenem Fluch und Segen,
Zwischen Höll’ und Abrams Schooß. 2.
Ewig wird Dein Wort nicht fehlen,
Daß Du, Gott, ein Richter bist,
Der einst allen Menschenseelen
Mit gerechtem Maße mißt;
Du läßst Grimm und Zorn und Aengsten,
Preis und Ehr’ und Frieden seh’n;
Jenen zeigst Du Dich am strengsten,
Diesen als den Gnädigsten. 3.
Laß mir keinen Tag vergehen,
Daß ich jenen Tag vergiß,
Wo man vor Gericht soll stehen;
Er kommt eilend und gewiß.
Weh’ da, wen Du wirst verfluchen!
Die Verfluchten leiden Pein;
Wohl den Seelen, die Dich suchen;
Denn Du willst Vergelter sein! 4.
Lehr’ die Seele darauf merken,
Wie man unter Gottes Macht
Mit Geduld in guten Werken
Nach dem ew’gen Leben tracht’t.
Dieß sei meine Vorbereitung,
Daß ich wandle in dem Licht,
Bis die allgemeine Scheidung
Zwischen Gut und Bös geschicht.