22.04.2026
Ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist.
1 Tim. 6,12. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebet eine kurze Zeit, und ist voll Unruhe; gehet auf wie eine Blume, und fället ab, fleucht wie ein Schatten und bleibet nicht, Hiob. 14,1.2. Diesem Menschen nun wird zugerufen: ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist. Es gibt also ein ewiges Leben, dessen Anfang schon auf Erden in der Seele angerichtet wird, sobald sie an den HErrn Jesum glaubig, und Seiner theilhaftig wird; denn dieses Leben ist im Sohn Gottes; wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben, 1 Joh. 5,11.12. Es muß aber dieses Leben in der Seele erhalten werden, und sich immer weiter aufschließen und ausbreiten, bis sie vom Leibe scheidet, da es alsdann noch völliger in ihr anbrechen, und sie zu einem ganz vergnügten und herrlichen Geist machen wird. Endlich wird auch der Leib zum ewigen Leben auferweckt werden, folglich der ganze Mensch zu diesem Leben gelangen: denn auf der neuen Erde und im neuen Jerusalem wird der Tod nicht mehr sein, Off. 21,4. Das Erbe der Gerechten wird unvergänglich, unbefleckt und unverwelklich sein, 1 Petr. 1,4., und die Gerechten werden ohne Aufhören ernten, Gal. 6,9. Dieses ewige Leben muß aber der Mensch ergreifen. Er muß den Anfang desselben ergreifen, indem er zu Christo kommt, Ihn glaubig ergreift, und so vom Tod zum Leben durchdringt. Er muß die Vermehrung desselben ergreifen, indem er aus der Fülle Jesu Gnade um Gnade nimmt, und den Geist der Gnaden bei der Fortsetzung seines Werks in seiner Seele Raum läßt. Er muß aber auch dieses ewige Leben nach seiner herrlichen Vollkommenheit, die zukünftig ist, in der Hoffnung ergreifen, und sich davon nicht abtreiben lassen. In dieses Ergreifen ist aber der ganze Ernst und Fleiß des Christenthums eingeschlossen, weßwegen Paulus, als er den Timotheus dazu ermuntern wollte, ihn zugleich ermahnte: du Gottesmensch, fliehe den Geiz und alle weltlichen Lüste, jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmuth, kämpfe den guten Kampf des Glaubens, 1 Tim. 6,11.12. Auf diese Weise muß ein Glaubiger das vollkommene ewige Leben mit der Hand seiner Hoffnung ergreifen, und diese Hand bei allen Widerwärtigkeiten nicht mehr zurückziehen. Er darf’s aber thun, weil er dazu berufen ist. Gott will nicht, daß Jemand verloren werde, sondern daß sich Jedermann zur Buße kehre, und (ewiglich) lebe. Wenn dieser Liebeswille Gottes dem Menschen kräftig kund gethan wird, so wird er zum ewigen Leben berufen, und dieser Beruf gibt ihm das Recht, dasselbe mit dem Glauben und mit der Hoffnung zu ergreifen. Was Gott durch Seinen Beruf anbietet, darf man nehmen, was Gott verheißt, darf man hoffen. Hier soll sich der Mensch seine Unwürdigkeit nicht kleinmüthig machen lassen, sondern auf den Liebeswillen Gottes in Christo sehen, und nach demselben gesinnt sein. Ein Geiziger greift nach dem Reichthum als seinem höchsten Gut, ein Wollüstiger nach der Wollust, ein Stolzer nach der eitlen Ehre. Oft entrinnt ihnen dieses Alles wie ein Irrwisch, indem sie darnach greifen; wenn sie aber auch etwas davon erhaschen, so ist’s ein Wind, den sie nicht halten können, ein Dorn, der sie sticht, eine Wasserblase die nichts Kräftiges in sich hat. Das ewige Leben hingegen ist ein wahres, unschätzbares und unvergängliches Gut. Man kann auch mit Gewißweit darnach greifen, weil Gott Seinen eingebornen Sohn darum gegeben hat, daß Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern ewiges Leben haben. Mel.: Gottlob, ein Schritt zur Ewigkeit. 1. Wer nur nach diesem Leben greift, Der greift nach einem Schatten; Und wenn er fremde Güter häuft, Die And’re vor ihm hatten, Was bleibt ihm in dem Sterben noch? Nach einem Leben sehnt sich doch Der Geist, der nicht kann sterben. 2. Lebendiger! vor Deinem Thron Ist nur ein ewig Leben, Das willst Du in dem lieben Sohn Uns aus Erbarmen geben, Du biet’st es in dem Wort uns an, Und daß man es begreifen kann, Wirkt selbst Dein Geist den Glauben. 3. Du wollest mir die Glaubenshand Durch Deine Gnade steifen, Bei aller Feinde Widerstand Das Leben zu ergreifen; Das Leben, welches ewig ist, Das Leben, das uns Jesus Christ Durch Seinen Tod errungen. 4. O daß ich nicht zurücke geh’! Sonst geht es zu der Hölle; O daß ich niemals stille steh’, O daß mich ja nichts fälle! Geh’, Jesu, mit mir bis zum Grab, Bis daß ich das ergriffen hab’, Was Du mit Blut erworben!