18.10.2026

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung: gedenke aber mein nach Deiner Barmherzigkeit um Deiner Güte willen.

Ps. 25,7. Wer ist, der nicht nöthig hätte, also zu beten? In der Jugend ist man unerfahren, leichtsinnig, feurig, und empfindet alle Reizungen zur Sünde sehr lebhaft. doch regt sich die Taufgnade bei Christen eine Zeit lang, widerstrebt der Sünde, und läßt das Kind nicht ohne Scham und Angst bleiben, wenn es sich übereilt hat. Weil aber die Versuchungen stärker wachsen, so kommt kein getauftes Kind durch, es sei denn, daß es auch nach dem Beispiel Christi an Weisheit und Gnade bei Gott und Menschen wachse, und zu der kleinen Geisteskraft, die es von der Taufe her in sich hat, eine größere aus der Fülle Jesu Christi bekomme. Wenn aber ein Kind die Empfahung dieser größern Kraft versäumt, folglich nicht ernstlich betet, nicht wacht, das Wort Gottes nicht fleißig hört, liest und betrachtet, dagegen aber sich zu bösen Gesellschaften schlägt, und an dem thörichten und muthwilligen Beginnen der Weltkinder sich vergafft: so verliert es die Taufgnade, wird mit Lastern befleckt, fällt von einer Sünde in die andere, und weicht mit seinem Herzen von Gott ab. Dieses ist das klägliche Schicksal der meisten getauften Kinder, und so mag es auch ehemals mit den meisten Kindern der Israeliten gegangen sein. David, der vielleicht in seiner Jugend vielen andern Kindern und Jünglingen vorzuziehen war, wurde von dem Geist Gottes zu derjenigen Zeit an die Sünden seiner Jugend gemahnt, da er Ps. 25,16.17.18. beten mußte: wende Dich zu mir, und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünden. Da er also um die Vergebung aller seiner Sünden bat, so bat er auch um die Vergebung seiner Jugendsünden, deren er sich eben damals mit Reue und Scham erinnerte; da er in der Jugend selbst in seinem Gemüth flüchtig darüber weggegangen war. Es gibt also Stunden, in welchen Gott auch frommen und begnadigten Personen die Sünden ihrer Jugend, und so auch andere ehemalige Uebertretungen zu ihrer Zermalmung und Demüthigung vor die Augen stellt, und sie darnach auf’s Neue kräftig überzeugt, wie nöthig ihnen die Gnade und ein Erlöser sei. In diesem Fall aber soll ein Jeder bitten: gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung. Gedenke ihrer jetzt nicht, und gedenke ihrer nicht am Tage des allgemeinen Weltgericht, daß Du sie mir zurechnetest. Gedenke aber meiner nach Deiner Barmherzigkeit um Deiner Güte willen. Weil Du ein gütiger Gott und Vater, ja die Liebe bist, so gedenke meiner, der ich einsam und elend bin, nach Deiner Barmherzigkeit. Erzeige mir Hülfe, wenn mir Hülfe nöthig ist, schenke mir Licht und Kraft zum Sieg über alle Versuchungen; gedenke meiner, wenn ich sterbe, daß Du meine Seele sanft aus dem Leib heraushebest und aufnehmest. Gedenke meiner nach Deiner Barmherzigkeit, wenn Du die Welt richten wirst, daß Du mir alsdann keinen zornigen Vorhalt wegen meiner Sünden machest, sondern mir mit allen Auserwählten das ewige Erbe aus Gnaden schenkest. O Gott! gedenke auch meiner auf diese Weise am besten. Amen. Mel.: Sollt’ es gleich bisweilen scheinen. 1.
Vater! laß mich Gnade finden,
Denke nicht der Jugendsünden,
Denke der Barmherzigkeit;
Denn sie sind mir herzlich leid. 2.
Konnt’st Du, da ich fiel, nicht sehen,
Daß ich sollt’ verloren gehen,
Und bekehrtest mich zu Dir:
Zürne nun nicht erst mit mir. 3.
Legtest Du mich Dir zu Fuße,
Wirktest Du selbst meine Buße,
Ach so rechne nun nicht an,
Was ich vormals Bös’s gethan! 4.
Hast Du nicht mir schon vergeben,
Schenktest Du mir nicht das Leben,
Da ich Dich um Gnade bat
Nach bereuter Missethat? 5.
Hat Dein Wort mir nicht erlaubet,
Daß ich mich versühnt geglaubet?
Machte nicht Sein Blut mich rein?
Aller Heiland ist auch mein! 6.
Ich will mich der Narben schämen;
Laß mich nur nicht darob grämen,
Daß die alte Wunde neu
Und noch nie geheilet sei. 7.
Laß mich wohl ihr Angedenken
Beugen, aber nicht mehr kränken,
Und der Schrecken vor Gericht
Störe meinen Frieden nicht. 8.
Gib in meinen letzten Stunden
Mir noch Trost aus Jesu Wunden;
Denke der Barmherzigkeit,
Die verlor’ne Söhne freut!